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Klabusterbären – „Zuversicht & Kippen“ LP

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Eigentlich bin ich ja seit geraumer Zeit, was das Besprechen von Platten angeht, in Ruhestand. Doch die Klabusterbären-Scheibe, die da vor ein paar Tagen vor meiner Wohnungstür stand, lädt mich ein, eine Ausnahme zu machen. Wenn ich das richtig sehe, ist das meistgeklickte Video auf dem Überfall-Youtube-Kanal ein Song dieser Band – „Ich tanz zu Cure,die ganze Nacht“. Ihrer Vorliebe für The Cure setzen sie in „Geräusche“ nochmal ein sehr deutliches Denkmal mit unüberhörbaren musikalischen Zitaten. Es pendelt wieder zwischen Melancholie und Party. Der unverkrampfte Charme, der Platten der Klabusterbären für mich bislang schon immer zu einer Wonne gemacht hat, ist weiterhin vorhanden. Das markante Keyboard ließ mich zwischendurch auch mal an die lang vergangene Delitzscher Band N.O.E. denken. In einer Zeit, in der selbst Punkbands meinen, sie klängen druckvoller, wenn sie sich ihre komplette Identität mit Quantisierung wegbügeln lassen, ist es angenehm, wenn eine Produktion wie diese noch ganz klassisch lebendig atmet. Und zur Lebendigkeit trägt auch wieder bei, dass die Stücke in Tempi, Arrangements und Rhythmen ordentlich variieren. Dann noch die kratzige Stimme von Ecki und eben eine Ladung eingängiges Songwriting und fertig ist die neue Klabusterbären-Scheibe, die mich aufweckt aus meiner allgemeinen Punkrockmüdigkeit. 

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Aktualisiert ( Montag, 17. April 2017 um 18:32 )
 

Nikolai Tokarev, 3. April 2017, Schwabenlandhalle, Fellbach

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Gegen 11.30 Uhr holen sie mich ab. Das Vorhaben ist ja schon irgendwie Wahnsinn: Von Bielefeld nach Waiblingen für ein Klavierrecital. Ich selber wäre auf die Idee gar nicht gekommen. Wenn mich aber jemand großzügig mitnimmt in die Ferne und dabei dann auch noch gute Musik im Vordergrund steht, braucht es aber trotzdem wenig Überredungskunst, mich mit an Bord zu bekommen. Also geht die Fahrt mit Ted und Bäumchen tief in den Süden. Meine Geografiekenntnisse sind mängelbehaftet genug, dass es mich überrascht, wenn der Weg sogar schon durch den Freistaat Bayern führt.

Die Musik, die ich für die Fahrt zum Abspielen der Musikanlage im Auto eingesteckt habe, muss allerdings stumm bleiben, da Teds alter Bulli lediglich mit Kassettendeck ausgestattet ist und ich auf diese Variante dann doch nicht vorbereitet bin. Aber die Fahrt ist kommunikativ, und der musikalische Tagesschwerpunkt liegt auf dem Pianisten Nikolai Tokarev und den Komponisten Tschaikowsky und Mussorgsky.

Vor der Abfahrt in Rietberg, um mich in Bielefeld aufzusammeln, meinte Ted noch zu Bäumchen, es wäre immer klug, vor der Abfahrt zu solch einem Konzert vorher nachzuschauen, ob die Veranstaltung auch wirklich stattfinde. Schließlich könne über Nacht ja das Konzerthaus abgebrannt oder der Finger des Pianisten gebrochen sein. Aus lauter Eile ist diese Vergewisserung dann doch verschoben.

Als wir in Waiblingen ankommen, sieht das Bürgerzentrum dann tatsächlich schwer nach Brandschaden aus. Das Dach schwarz und zusammengebrochen, die Eingänge allesamt mit Gittern versperrt. Das ist uns nicht ganz geheuer. Ein Blick auf die Website des Bürgerzentrums informiert: Vor zwei Tage gab es einen Großbrand, Veranstaltungen finden vorerst dort nicht statt. Ich bleibe völlig entspannt, wie auch immer es weitergeht. Notfalls würde ich das als einen Ausflug in die Fremde verbuchen. Die schwäbische Sprache der Menschen vor Ort befriedigt schon merklich die allgemeine Lust auf fremde Kulturen. Heimat hing in Form von Plakaten für Auftritte von Ingo Oschmann und den Ehrlich Brothers allerdings auch an jeder Ecke. Ted staunt über seine prophetischen Äußerungen vom Morgen, und wir hoffen, dass Tokarev mit zwei gesunden Händen an einem Ausweichort sein Recital auf die Bühne bringen kann. „Wir essen erst einmal in Ruhe, dann kannst du mal nachschauen, ob es einen Ausweichort gibt.“ Glücklicherweise gibt es den dann vier Kilometer weiter in Fellbach. Vorher besichtigen wir allerdings die urige, an Fachwerkhäusern und kleinen Gässchen reiche Altstadt von Waiblingen und setzen uns für Kaffee respektive heiße Schokolade vor ein Eiscafé.

Die Schwabenlandhalle in Fellbach ist schnell gefunden und wir hören die ersten Klaviertöne aus dem Bühnenhintereingang herausschweben. Neugierige Menschen, die wir sind, lugen wir durch die offene Tür und sehen in der hinteren Ecke den Pianisten am Probeflügel beim Einspiel. Wir lauschen noch ein bisschen, nehmen das als Teaser mit in den Abend.

Als wir auf unseren Plätzen sitzen, hält einer der Menschen, die das Bürgerzentrum in Waiblingen betreiben eine kleine Dankesansprache zu der Hilfe, die sich nach dem Brand aufgetan hat. Eine Flasche Wein wechselt auf der Bühne noch den Besitzer und Nikolai Tokarev tritt an den Bösendorfer-Flügel. Das erste Set besteht aus dem zwölfteiligen Tschaikowsky-Werk „Die Jahreszeiten“. Von Januar bis Dezember gibt es weiche wohlig-einschmeichelnde Klänge, freundlich perlende Tschaikowsky-Melodien. Die lange Fahrt macht sich bemerkbar. Bequem im Stuhle sitzend und auf den Hinterkopf des Vordermanns blickend verfalle ich einem Dämmerzustand. Ich kämpfe dagegen an, komplett einzudösen und womöglich mit Schnarchgeräuschen die Atmosphäre zu stören. Ich bleibe erfolgreich bei Bewusstsein die ganze Zeit. Ab der Pause bin ich wieder richtig wach und munter.

Teil 2 ist nichts zum Dämmern. Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ sind mir schon seit Schulzeiten vertraut, ein All-Time-Favourite von mir und in verschiedenen Arrangements in meinem Regal zu Hause. Heute Abend also für mich auch endlich einmal live zu hören in dem Arrangement, das Mussorgsky dafür vorgesehen hat: Pianoforte solo. Bislang fühle ich mich nicht als Fachmann für die Beurteilung von Interpretationen. Allzu sehr in die Tiefe wage ich mich da nicht. Ich kann sagen, ob mich die Musik berührt oder nicht. Dies berührt mich. Es reißt mich mit, ich höre die Heiterkeit der spielenden Kinder, die Schwere des Ochsenkarrens und vor allem die Majestätik des großen Tores von Kiew. Tokarev spielt mit Präzesion, Schwung und Leidenschaft. Während des musikalischen Werks werden im Hintergrund auf eine Leinwand malerische Werke von Kandinsky projiziert. Für mich funktioniert diese Verbindung zum größten Teil nicht. Vielleicht ist es da auch einfach hinderlich, dass die schon Mussorgskys Betitelungen nicht so recht zu Kadinskys Bildern passen wollen. Ich hangele mich auch die ganze Zeit am Programmheftchen entlang, um auf Stand zu bleiben, welches Bild Mussorgsky gerade beim Komponieren vor Augen hatte, dabei fällt es schwerer, dazu widersprüchliche Bilder zuzulassen. 

Das Klavierspiel war doch die anstrengende Anreise schon wert. Aber was will ich mich über Anreise beklagen? Tokarev kam nicht bloß aus Bielefeld, sondern gleich aus Dubai. Zugaben gibt er auch noch drei: Rachmaninov, Chopin und nochmal Tschaikowsky. Bei Emerson, Lake & Palmer hörten die „Pictures of an Exhibition“ ja auch schon mit Tschaikowsky als Zugabe auf. Und dann ist er auch sichtlich erschöpft. Und ab geht es wieder gen Ostwestfalen für uns. Fünf Stunden Autobahn. Unterwegs überholen wir über die ganze Strecke verteilt zwei Lkw und zwei Busse des Showmagier-Duos Ehrlich-Brothers. Erst staunen wir darüber, mit welch mächtiger Entourage und Gepäck die unterwegs sind. Dann kommt mir die Lösung: Das sind keine vier Fahrzeuge. Das ist ein Zaubertrick. In Wirklichkeit ist das insgesamt nur ein halber Bus.

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Aktualisiert ( Dienstag, 04. April 2017 um 05:18 )
 

V. A. – „20 Jahre Überfall“ Download

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ÜF-CD036
FREE DOWNLOAD: https://ueberfall-records.bandcamp.com/album/20-jahre-berfall

 

Alte Weggefährten und frische Freunde gratulieren zu 20 Jahren Überfall. Viele Stücke sind exklusiv, ein paar stammen von den Jubiläumskonzerten im April und Mai 2016. 

Old companions and fresh friends congratulate to 20 years of Überfall. Many tracks are exclusive material, some were recorded at the anniversary concerts in April and May 2016.

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Aktualisiert ( Dienstag, 20. September 2016 um 09:47 )
 

20 Jahre Überfall – Teil 1, Fla Fla, Herford, 16. April 2016

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Der erste Teil der Feierlichkeiten zu 20 Jahren Überfall ist nun am Wochenende über die Bühne gegangen. Es sah ja eigentlich mal danach aus, als würde das eine gut besuchte Veranstaltung werden. Doch einen Tag vorher ereilte mich die Nachricht, dass zwei Bands wegen Krankheit ausfallen könnten. Ich fing also am Freitagabend schon einmal damit an, mich nach zumindest einer Ersatzband umzuschauen für den Fall der Fälle. Denn an den Caminos hing ein wichtiger Teil der Backline. Am Samstagmorgen kam dann der gefürchtete Anruf: Notdurft und die Caminos mussten ausfallen. Den ganzen Abend deshalb absagen wollte ich nicht – ein nicht unerheblicher Teil des erwarteten Publikums offenbar schon. Nach einigen Absagen kurzfristig angefragter Bands erklärte sich E-Aldi sich zwei Stunden vor Einlass bereit, einzuspringen. Und die fehlende Backline haben dann kurzfristig doch noch die Ugly Hurons aus Thüringen mitgebracht.

Während des Soundchecks, versuchte ich mich mit der Lichtanlage vertraut zu machen. Nach wenigen Minuten habe ich es geschafft, sie völlig lahmzulegen. Vom Fla Fla kannte sich niemand vor Ort ausreichend damit aus, um das zu retten. Mike von den Ugly Hurons fummelte eifrig daran herum, während E-Aldi irgendwann sein Set vor der Bühne in nahezu kompletter Dunkelheit startete. Schon als Back mir Brot auf der Bühne ihr Equipment aufgebaut hatten, fiel mir eine Sache auf: Man spricht sich vorher ab, wer das Schlagzeug mitbringt (durch die Ausfälle war es nur noch eine Band, die überhaupt eines benutzte) und wer Gitarrenboxen mitbringt. Wer eventuell sein Bügelbrett verleiht, ist im Vorhinein nicht geklärt worden. Also stellte Aldi sein Keyboard auf dem eigenen Bügelbrett ab und performte in gewohnt bunter Kostümierung zu seinen Halbplaybacks von Kassette. Diejenigen, die ihn bis dahin noch nicht kannten, waren verstört und begeistert. Die anderen sangen mit und wälzten sich zum „E-Aldi-Dance“ auf dem Boden. Und nach wenigen Stücken gingen von Zauberhand die Bühnenlichter auch wieder an, so dass Hits wie „Ich muss kacken und warte vor den Schranken“ und „Möhrchen aus dem Glas“ bei angemessener Illumination stattfinden konnten.

Der Bruch, der folgte, war nicht so heftig, wie ursprünglich mal gedacht. Denn auch Back mir Brot aus Oldenburg und Umgebung sind textlich und musikalisch eine ziemlich schräge Nummer, wenn auch auf einem anderen Level als E-Aldi. Hier kam weniger Holzhammer zum Einsatz. Die Beats waren meist entspannter, der Humor noch absurder. Zu Keyboards kamen auch unelektronische Instrumente zum Einsatz: Gitarre, Bass und Plastikbläser. Immer wieder fühlte ich mich an die B-52s erinnert. Die Texte rieten zum Kauf von Atomstrom und Flachspülern, beobachteten den Führer in Funk und Fernsehen, gaben den Kochtipp, alles mit Hack anzurichten und glorifizierten die Kraft weiblicher Geschlechtsorgane mit entsprechender Kostümierung. Vor der Bühne fand sich mindestens ein Zuhörer zum ausufernden Ausdruckstanz berufen. Ausgelassene Zwischenrufe stellten sich ein, und über so manches Gesicht zog ein breites Lächeln. Mein Tipp an mitlesende Konzertbooker: Back mir Brot gehören viel öfter auf die Bühne!

Den Abschluss haben dann die Ugly Hurons auf die Bühne gebracht. Über zwei Teile der „Sicher gibt es bessere Zeiten“-Sampler sind ein paar Songs der Band sicher auch einigen Leuten bekannt, die den Namen nicht unbedingt dazu parat haben. Die Leute, die wegen der ausgefallenen Bands fern geblieben sind, haben an der Stelle noch eine hervorragende Punkrock-Combo verpasst. Die Hurons selber bezeichnen das, was sie machen, als Brutalo-Schlager. Wenn man Schlager als sehr eingängige Songs definiert, trifft die Bezeichnung absolut zu. Und Brutalo kann man locker auf den Wumms der Musik beziehen. Persönlich waren an dem Abend nur sehr angenehme, sozial-verträgliche Menschen auf der Bühne. Das i-Tüpfelchen im Hurons-Sound sind die Posaune und die Trompete, die dem temporeichen Ganzen majestetischen Glanz verleihen. Und obendrein waren die Hurons verdammt gut aufeinander eingespielt. Da machten sich auch die jüngsten Studioaufnahmen bezahlt, die demnächst dann irgendwann erscheinen.

Und nun habe ich noch einen Geburtstagswunsch an meine Leser: Am 21. Mai geht es im Fla Fla weiter mit 20 Jahre Überfall Teil 2. Ich feiere an dem Abend in meinen Geburtstag hinein und wünsche mir ein volles Haus. Es spielen Brausepöter aus Rietberg, nach fünfjähriger Pause erstmals wieder Ackerbau & Viehzucht aus dem Kreis Höxter, ZZZ Hacker und als jüngste Band des Abends Nachthimmel.

 

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Aktualisiert ( Montag, 02. Mai 2016 um 14:20 )
 

20 Jahre Überfall – Das Festival – 16. April + 21. Mai 2016

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Die Termine für das Jubiläumsfestival stehen. Und das Line-Up steht weitgehend. Freut euch auf:

 

16. April 2016:

 

NOTDURFT
Punklegende aus Bielefeld

 

UGLY HURONS
Brutaloschlager aus Hermsdorf

 

 

BACK MIR BROT
Neo-New-Wave aus Oldenburg


 

 

CAMINOS
Agit-Rock aus Bielefeld


 

 

21. Mai 2016

 

ACKERBAU & VIEHZUCHT
Landwirtschaftspunk aus dem Kreis Höxter

 

BRAUSEPÖTER
NDW-Pioniere aus Rietberg

 

 

ZZZ HACKER
„Die faulste Band der Welt“ aus Bielefeld

 

Dazu kommt vermutlich noch eine weitere Band, die beizeiten bekannt gegeben wird.

 

Das Ganze findet statt im Fla Fla zu Herford.

 

 

 

 

 

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Aktualisiert ( Samstag, 13. Februar 2016 um 21:37 )
 


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